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Susanne Assum

Mixed Media

Hier werden Skulpturen in unterschiedlichen Materialien und Techniken gezeigt, die über meinen vorwiegend verwendeten Werkstoff Holz hinausgehen. Von Stein, teilweise kombiniert mit Bronze, über transparentes und lichtdurchlässiges Glas bis hin zu Kunststoff und Mixed Media zeige ich hier eine Auswahl an Einzelwerken und Serien.

"Käfige"

Die Skulpturenserie „Käfige“ thematisiert die Schranken, die in unserem Denken entstehen und dadurch unsere Wahrnehmung und Realität prägen. Kunstgeschichtlich bedeutende Figuren, wie Rodins „Denker“ oder Michelangelos „David“, werden aus ihrem ursprünglichen historischen und kulturellen Kontext herausgelöst und in einen neuen Zusammenhang gestellt.

Die Käfige fungieren dabei sinnbildlich als die von unserem eigenen Geist geschaffenen Barrieren, in denen wir uns selbst gefangen halten. Die dargestellten Figuren tragen Flügel, sind sich ihrer jedoch nicht bewusst. Trotz der Möglichkeit, sich aus ihrer Situation zu befreien, verharren sie in ihrem selbst geschaffenen Gefängnis.

Die Serie stellt damit die Frage, inwieweit unsere eigenen Gedanken, Überzeugungen und Grenzen unsere Realität bestimmen – und ob wir uns der Möglichkeit bewusst sind, diese Grenzen zu überwinden.

"Gegenstücke"

„Gegenstücke“ ist eine Serie aus Marmor, teilweise kombiniert mit Bronze. Die zweiteiligen Skulpturen ergänzen sich gegenseitig und bilden ein bewegliches Ganzes. Sie gehen eine Symbiose ein, sind aufeinander angewiesen und brauchen einander.

Bewusst laden diese Werke dazu ein, mit ihnen zu interagieren, ihre Positionen zu verändern und dadurch immer neue Beziehungen und Konstellationen entstehen zu lassen.

Skulptur aus Glas

Die folgenden Installationen wurden im Glasgussverfahren hergestellt. Glas eröffnet durch seine Transparenz eine neue Dimension in der skulpturalen Arbeit: Sein Inneres wird sichtbar. Hohlräume treten hervor, und das Immaterielle wird zur Materie.

"7 Todsünden"- Installation

„7 Todsünden“ setzt sich mit dem Spannungsfeld von Gut und Böse auseinander. Im Zentrum steht die Moral – jener erhobene Zeigefinger, der mit Bestrafung droht oder uns bei gutem Betragen vielleicht sogar belohnen möchte.

Die Vorstellung von Gut und Böse bestimmt nicht nur unser Handeln, sondern prägt ebenso unsere Gedanken und Gefühle. Wir stehen unter ständiger Beobachtung – durch uns selbst und durch andere – und werden begleitet von jenem quälenden Schuldgefühl, das tief im Menschen verwurzelt zu sein scheint.

Die Installation nähert sich der Bedrohung durch das Böse auf ironische Weise: Das Laster, das stets auf der Lauer liegt, um uns ins Verderben zu stürzen. Dinge, von denen wir wissen, dass sie uns nicht guttun, üben dennoch eine beinahe magische Anziehungskraft auf uns aus – wie das Licht auf die Motte.

Es liegt in der Natur des Menschen, in einem Zustand ständiger Zerrissenheit zu leben. Gerade aus diesem inneren Widerspruch können wir wachsen und lernen. Die bloße Befriedigung unserer Bedürfnisse führt dabei keineswegs zu einem friedlichen Leben mit uns selbst und anderen – im Gegenteil.

Gerade in unserer Wohlstandsgesellschaft scheint Unzufriedenheit allgegenwärtig. Wir haben jedes Maß verloren, geben uns dem Exzess hin und wachen schließlich mit dem Kater eines schlechten Gewissens auf.

Deshalb lade ich Sie ein: Gönnen Sie sich einen Schluck vom Laster Ihrer Wahl und sehen Sie selbst, was es mit Ihnen macht.

"Heute, Gestern, Morgen"

Die Skulptureninstallation „Heute, gestern, morgen“ setzt sich mit unserem Verhältnis zur Zeit auseinander. Ein Schafsschädel und drei progressiv schmelzende Abformungen aus Glas stehen dabei für verschiedene zeitliche Zustände, die nicht voneinander getrennt, sondern miteinander verwoben sind.

Die bewusst nicht chronologische Abfolge des Titels verweist darauf, dass Zeit nicht allein linear erfahren wird. Im Zentrum steht das Heute – geprägt von dem, was war, und zugleich geleitet von Vorstellungen dessen, was sein wird. Erinnerungen an für uns bedeutsame Momente ebenso wie persönliche Hoffnungen und Zukunftsziele beeinflussen unsere Wahrnehmung der Gegenwart.

Das Glas, transparent und zugleich fragil, macht diese Überlagerung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sichtbar. Die Formen verweisen auf einen fortwährenden Prozess von Werden und Vergehen. Der Schafsschädel wird dabei zum Sinnbild für Vergänglichkeit, während die gläsernen Abformungen zwischen Bewahren und Auflösen oszillieren. Die Installation fragt danach, wie sehr unsere Gegenwart aus Erinnerungen und Erwartungen besteht – und wo sich dabei die Grenzen zwischen dem Gewesenen, dem Gegenwärtigen und dem Kommenden auflösen.

"Brutstätte"

„Brutstätte“ ist ein Mixed-Media-Objekt, das formal an einen Wespenkokon erinnert: eine organisch wirkende Hülle aus Zellulose und Erde. Im Inneren befinden sich wabenartige Kammern mit Embryonen aus Wachs. Die Arbeit verbindet natürliche Prozesse von Brut, Wachstum und Fortpflanzung mit der zunehmend technisch bestimmten Vorstellung vom Menschen.

Die Wabe wird zum Symbol für ein System, in dem Leben nicht mehr nur entsteht, sondern geplant, ausgewählt und hergestellt werden kann. Die Wachs-Embryonen wirken wie Vorstufen eines möglichen Menschen – formbar, austauschbar und noch nicht festgelegt. Ihre Anordnung erinnert an eine Produktionseinheit, in der jedes Leben einen vorgesehenen Platz erhält.

Ausgangspunkt ist fie moderne Möglichkeit, genetische Informationen gezielt zu entwerfen, zu bestellen und zu verändern. Was früher weitgehend dem Zufall der biologischen Vererbung überlassen war, wird zunehmend zur menschlichen Entscheidung. Welche Eigenschaften würden wir auswählen? Welche Menschen wären erwünscht – und welche nicht?

Brutstätte bewegt sich zwischen Natur und Künstlichkeit, Geburt und Produktion, Zufall und Kontrolle. Erde und Zellulose verweisen auf den natürlichen Kreislauf des Lebens, während die Wachs-Embryonen eine künstlich planbare Zukunft andeuten.

Die Arbeit stellt damit die Frage, was geschieht, wenn der Mensch beginnt, die Bedingungen seiner eigenen Entstehung zu bestimmen – und ob aus der Möglichkeit, Leben nach Wunsch zu gestalten, irgendwann der gesellschaftliche Druck entsteht, bestimmte Menschentypen hervorzubringen.

"Schlafende"

Die „Schlafenden“ sind zweiteilige Skulpturen, die aus der Serie „Gegenstücke“ heraus entstanden sind. Weiche, organische Formen schmiegen sich harmonisch aneinander und verschmelzen zu einer gemeinsamen Einheit. Die Arbeiten wurden in unterschiedlichen Größen und Materialien realisiert – von weißem Marmor und transparentem Kunstharz bis hin zu Konzepten für großformatige Monumentalskulpturen in Stein. So verbindet die Serie Intimität und Ruhe mit einer zeitlosen, architektonischen Präsenz.

Horváth-Preis 2019

Der Horváthpreis ist eine Auszeichnung, die alle drei Jahre in Murnau am Staffelsee anhand einer eigens dafür angefertigten Skulptur verliehen wird. Die von mir gestaltete Skulptur zeigt Ödön von Horváth mit seinem charakteristischen roten Hut, wie er auf einem großen Ast davongetragen wird. Das Motiv nimmt auf humorvolle Weise Bezug auf den tragischen Tod des berühmten Schriftstellers: Horváth wurde 1938 auf den Champs-Élysées in Paris von einem herabfallenden Ast erschlagen.

In der Basis der Skulptur befindet sich eine Spieluhr, die die Melodie des bekannten Liedes „Champs-Élysées“ spielt. Damit verbindet die Skulptur auf spielerische und zugleich symbolische Weise den Ort seines Todes mit dem Andenken an den Schriftsteller.

"Construction Box"

„Construction Box“ setzt sich mit dem Menschen als selbst erschaffenem Konstrukt auseinander. Aus Bauklötzen ist eine menschliche Figur aufgebaut, die auf ihrer eigenen Verpackungsbox sitzt. In ihrer Hand hält sie einen einzelnen Bauklotz – genau jenes Element, das an der Stelle des Herzens aus ihrem Körper herausgelöst wurde. Sie bietet diesen Stein dem Betrachter an.

Die Arbeit verweist auf das menschliche Bedürfnis, ein Bild von sich zu konstruieren, etwas darzustellen, eine bestimmte Haltung einzunehmen und nach außen zu vermitteln. Jeder Mensch erschafft im Laufe seines Lebens ein persönliches Konstrukt: eine sichtbare Schale, die Sicherheit, Identität und Zugehörigkeit vermitteln kann. Doch dieses äußere Bild entspricht nicht immer den inneren Gefühlen und Bedürfnissen. Hinter der selbst errichteten Fassade bleibt häufig der Wunsch bestehen, gesehen und in seiner eigenen Verletzlichkeit wahrgenommen zu werden.

Der herausgenommene Baustein markiert dabei die Position des Herzens. Indem die Figur ihn dem Betrachter entgegenhält, wird aus dem vermeintlich stabilen Konstrukt ein Moment der Öffnung. Das Herz wird nicht länger verborgen, sondern als etwas Persönliches angeboten und geteilt. Die Arbeit stellt damit die Frage, was geschieht, wenn wir den Mut aufbringen, unsere selbst errichtete Schale zu durchbrechen und etwas von unserem Innersten sichtbar werden zu lassen.

Die Bauklötze stehen zugleich für die Veränderbarkeit menschlicher Identität. Sie sind spielerisch, wandelbar und lassen sich immer wieder neu zusammensetzen. Konstruktion und Dekonstruktion werden zu einem fortlaufenden Prozess: Das eigene Ich ist kein endgültig festgelegtes Gebilde, sondern kann verändert, erweitert, abgebaut und neu zusammengesetzt werden.

„Construction Box“ wurde als 40 cm hohe Kleinskulptur realisiert. Die Arbeit versteht sich zugleich als Modell für eine überdimensionale Ausführung im öffentlichen Raum. In monumentaler Größe würde die Figur ihre ursprüngliche Intimität in einen öffentlichen Kontext übertragen und den Betrachter unmittelbar mit der Frage konfrontieren, welche Konstruktionen wir von uns selbst errichten – und was wir bereit sind, davon sichtbar werden zu lassen.